BUND Naturschutz fordert Aufklärung zu Ausbaggerungen am Aubach

Der BUND Naturschutz (BN) ist tief besorgt über die jüngsten massiven Eingriffe am Aubach im FFH-Gebiet bei Oberalting. Aus unserer Sicht werfen die Arbeiten schwerwiegende naturschutzfachliche Fragen auf.

Oberhalb des Siedlungsgebiets von Oberalting wurde der Aubach auf rund einem Kilometer Länge beidseitig ausgebaggert. Der Aushub wurde im angrenzenden Schilfgebiet liegen gelassen. Dabei wurde Unrat wie alte Fahrräder, Autoreifen und Plastikteile freigelegt und nach unserer Beobachtung in der Fläche belassen. Viele Sträucher und Bäume wurden stark beschnitten.

Besonders kritisch sehen wir neben den Folgen für das empfindliche Feuchtgebiet auch die fachliche Zielsetzung der Maßnahme. Nach der öffentlichen Darstellung sollte sie dem Schutz der Oberaltinger Bebauung vor Überflutung dienen. Aus unserer Sicht ist jedoch unklar, wie eine Querschnittserweiterung des Bachs oberhalb der Bebauung dieses Ziel überhaupt erreichen soll.

Durch das Ausbaggern wird das Biotop empfindlich gestört, denn der Bachrand bietet Lebensraum für Insektenlarven, z. B. von Libellen, Amphibien und Pflanzen. Darüber hinaus warnen wir vor den möglichen Folgen für die sensiblen Moor- und Schilfbereiche entlang des Aubachs. Wir befürchten durch die Ablagerung des Aushubs einen problematischen Nährstoffeintrag ins Schilf, der die Ausbreitung von Neophyten fördert.

Zusätzliche Sorge bereitet uns, dass die Maßnahmen den Zielen des FFH-Managementplans widersprechen. Darin ist vorgesehen, den Wasserstand in diesem Bereich um einige Dezimeter anzuheben, um die wertvollen Moor- und Feuchtlebensräume zu stabilisieren. Das nun erfolgte Ausbaggern des Bachprofils und die damit verbundene Absenkung des Wasserspiegels im umliegenden Moorgebiet wirft daher aus unserer Sicht erhebliche Fragen zur Vereinbarkeit mit diesen Naturschutzzielen auf.

Wir haben deshalb einen umfassenden Fragenkatalog an die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Starnberg gerichtet und fordern eine vollständige Offenlegung der Genehmigungsgrundlagen und naturschutzfachlichen Bewertungen.

„Hier geht es nicht um eine isolierte Bachbaumaßnahme, sondern um die Zukunft eines zusammenhängenden Feuchtgebiets. Wir befürchten, dass die jetzigen Ausbaggerungen nur der Auftakt für noch großflächigere Eingriffe in das Biotop im Zuge des geplanten fast fünf Hektar großen Gewerbegebiets sein könnten“, warnt Albert Augustin, Sprecher der BN Ortsgruppe Seefeld.

Wir werden das Verfahren weiter kritisch begleiten. Für die Zukunft wünschen wir uns, im Vorfeld über solche Aktionen informiert und involviert zu werden. „Warum wird vor solchen Maßnahmen nicht die Fachkenntnis des BN genutzt und gemeinsam eine Lösung gesucht, bevor unsinnig Lebensräume zerstört werden?“, fragt Linda Rüger von der BN Ortsgruppe.