Im Jahr 20226 warten neue Herausforderungen auf Naturschützerinnen und Naturschützer: die Kommunalwahlen am 8. März. Die Bürgerschaft kann bald an der Wahlurne entscheiden, welche Rolle für sie in ihrer Gemeinde, ihrer Stadt und in ihrem Kreis der Naturschutz bekommen soll. Sie kann die Wahlprogramme prüfen und mit den Kandidaten ins Gespräch kommen, wie ernst sie es mit den Schlagwörtern „Klima- und Naturschutz“ und „Nachhaltigkeit“ meinen und ob sie überhaupt darüber sprechen.
Leider gibt es negative Tendenzen und auch Angriffe auf die Zivilgesellschaft und auf bürgerschaftliches Engagement im Naturschutz: das Verbandsklagerecht und die Regelungen zur Gemeinnützigkeit werden in Frage gestellt und durch die sogenannten „Modernisierungsgesetze“, die die Wirtschaft ankurbeln sollen, wird die Bürgerbeteiligung zum Schutz des Allgemeinwohls beschnitten.
Diese Entwicklungen beeinflussen die Naturschutzarbeit erheblich und wirken bis in die kleinsten Gruppen auf der Ortsebene. Als 2019 für das Volksbegehren Artenvielfalt 1,75 Millionen Menschen in Bayern gestimmt und damit eine Änderung des Naturschutzgesetzes erreicht haben, konnte man noch hoffen, dass der Wunsch, in einer intakten Natur leben zu wollen, von der Gesellschaft breit mitgetragen wird. Wir alle beim BUND freuten uns damals darauf, dass Änderungen bei der Flächennutzung und bei der Ernährung von allen aktiv angegangen und Naturschützer nicht mehr als Randgruppen betrachtet werden.
Die Situation hat sich jedoch stark geändert. Die Bilder der bewaffneten Konflikte in der Welt schüren die Ängste vor dringend notwendigen Veränderungen. Die Politik will den Bürgern keine „Zumutungen“ bereiten, gibt rechtspopulistischen Forderungen nach oder übernimmt sie sogar. Wir erleben aktuell große Rückschritte beim Naturschutz, eine nachlassende Aufmerksamkeit und Aktivität in der Bürgerschaft und sogar Hass und Hetze im Netz.
Die BUND Naturschutz-Ortsgruppe Seefeld war gleich am Anfang der Protestwelle gegen diese Entwicklung aktiv dabei. Es wurde ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Vereinen und demokratischen Parteien in Seefeld geschmiedet und der Erfolg blieb nicht aus: allein in Seefeld gingen über Tausend Menschen friedlich und gutgelaunt am 3.2.2024, an einem sonnigen Samstag auf die Straße und demonstrierten für unsere Demokratie, für ein respektvolles Miteinander, für Vielfalt und Toleranz.
Am 15.4.2024 ging die Veranstaltungsreihe mit einem Vortrag im Schloss Seefeld weiter: Wie können wir unsere Demokratie erhalten? Martin Geilhufe, der im November 2025 gewählte neue Landesvorsitzende des BUND Bayern berichtete darüber, dass wir sauberes Wasser, saubere Luft, den Atomausstieg und zentrale Errungenschaften im Naturschutz unserer kostbaren Demokratie zu verdanken haben. Der BUND widerlegt täglich mit hohem Fachwissen die im Netz verbreiteten „alternativen“ Fakten und kämpft entschlossen gegen die negative Entwicklung. Sein Vortrag war mit vielen Beispielen eine lebendige Reise in die Welt der Naturschutzarbeit auf Landesebene.
Kurz vor der letzten Europawahl, am 9.5.2024 erinnerte eine Kundgebung in Seefeld-Hechendorf insbesondere die junge Generation an die Bedeutung der Wahl, bei der ab 16 gewählt werden darf. Die Redner appellierten an die Menschen, zur Wahl zu gehen und sich damit für die Demokratie einzusetzen. Die Wahlbeteiligung am 09.06.2024 mit 73,9 % war in Seefeld überdurchschnittlich, welche Zahl Mut macht, weiterzumachen.
Am 8.2.2025 trafen wir uns bei der Kundgebung auf der Theresienwiese und am 14.2.2025 bei einer Lichterkette für die Demokratie auf der Hauptstraße in Seefeld.
Nun freuen wir uns auf engagierte Menschen, die bei der Kommunalwahl 2026 ihre Stimme den Kandidaten geben, die es wirklich ernst meinen mit dem Naturschutz und nicht nur Sonntagsreden darüber halten, darüber posten, Flyer mit leeren Versprechen und Floskeln verteilen und ihre Wahlversprechen nicht einhalten.
Ildiko Gaal-Baier
