Mit dem Rad zur Wissenschaft: Ein Nachmittag an der Windach

Manche Workshops beginnen mit einem Kaffee. Meiner begann gestern mit einer Badehose.

Auf dem Weg nach Windach (der Name kommt wohl von der „Windenden Ache“), wo ich an dem Workshop „Fließgewässeruntersuchung“ aus der Lechbotschafter-Reihe teilnehmen wollte, führte mich meine Fahrradroute am Ammersee vorbei – und da ich schon mal da war, musste natürlich dringend die aktuelle Wassertemperatur bestimmt werden. Rein wissenschaftliches Interesse, versteht sich. Mit nasser Badehose, aber motiviert, ging es weiter Richtung Windach.

Ankunft: Eine ansehnliche Gruppe von angehenden Gewässerforschern

Vor Ort traf ich auf knapp 20 weitere Interessierte, die offenbar denselben Gedanken hatten: Bevor man sich über den Zustand der Gewässer im eigenen Landkreis aufregt, sollte man vielleicht erst einmal verstehen, wie man ein Fließgewässer richtig untersucht. Genau das hatte ich mir von diesem Tag erhofft – handfestes Wissen, das ich mitnehmen und auch bei uns einbringen kann, gerade wenn es um das mehr als fragwürdige Treiben am Aubach geht.

Geleitet wurde der Workshop von Dr. Stefan Ossyssek, Referent für Arten- und Biotopschutz beim BUND Naturschutz – ein Mann, der offensichtlich mehr Zeit im, am und unter Wasser verbringt als die meisten von uns im Jahr am Badesee.

Der Patient Windach: Die Strukturuntersuchung

Gemeinsam nahmen wir uns einen rund 100 Meter langen Abschnitt der Windach vor und untersuchten ihn exemplarisch anhand eines Feldprotokolls zur Gewässerstruktur. Da wurde gemessen, bewertet, notiert – ähnlich wie beim Arzt, nur dass der Patient ein Bach ist und die Diagnose eher „naturnah“ oder „verbaut“ lautet als „gesund“ oder „erkältet“.

Und dann kam der Moment, auf den – zugegeben – nicht jeder gewartet hatte, aber der sich als Highlight entpuppte:

Kicksampling: Wenn der Kescher zum Werkzeug wird

Nach dem Ausfüllen der Bewertungsbögen zeigte uns Dr. Ossyssek das sogenannte Kicksampling. Kurz gesagt: Man Wühlt mit dem Fuß ein wenig den Gewässergrund auf und fängt mit dem Kescher alles auf, was dabei aufgewirbelt wird und flussabwärts in den Kescher gespült wird. Das Ergebnis: eine wild lebende Fangfracht, die anschließend unter dem Mikroskop genauer unter die Lupe – beziehungsweise Linse – genommen wurde.

Kicksampling in der Windach

Das Ganze diente vor allem einem Zweck: uns vor Augen zu führen, wie aufwendig eine professionelle Gewässeruntersuchung und Kartierung tatsächlich ist. Denn was wir exemplarisch einmal auf 100 Metern gemacht haben, müsste im Ernstfall gleich 20-mal wiederholt werden, um belastbare Aussagen treffen zu können. Respekt vor allen, die das hauptberuflich machen.

Makrozoobenthos: Kleine Tiere, große Aussagekraft

Zum Abschluss ging es an die Bestimmung der gefangenen Tierchen – dem sogenannten Makrozoobenthos. Mithilfe des Bestimmungsschlüssels von Aqua Viva wurde grob sortiert und bestimmt, welche Ordnung sich da gerade unter dem Mikroskop tummelt. Die Vielfalt (oder eben auch das Fehlen davon) verrät erfahrenen Augen erstaunlich viel über die Gewässergüte – ganz ohne Chemielabor.

Fazit

Ein Tag, der mit einer spontanen Wassertemperaturmessung im Ammersee begann und mit dem Blick durchs Mikroskop auf kleinste Bachbewohner endete. Dazwischen: jede Menge Fachwissen, ein waschechter Gewässerexperte und die Erkenntnis, dass eine ordentliche Fließgewässeruntersuchung deutlich mehr Arbeit ist, als man beim Blick auf einen plätschernden Bach vermuten würde.

Für mich hat sich die Fahrt definitiv gelohnt – nicht nur wegen der Abkühlung im Ammersee, sondern vor allem wegen des Wissens, das ich jetzt mit nach Hause und hoffentlich auch in die Diskussion rund um den Aubach mitnehmen kann.

Ein großes Dankeschön an die Initiator*innen des BUND Naturschutz in Landsberg!

Albert Augustin