Jahresbericht 2016

Kiebitz-Brut im Aubachtal bei Seefeld-Hechendorf

Kiebitz Vanellus vanellus attackiert Rabenkrähe. Aubachtal. 03.06.2016. © H. Schaller.

Am 24. 02. 2016 traf das Kiebitzpaar ein und begann sofort mit territorialem Verhalten. Innerhalb von einer Woche war das Feld, auf dem dann auch die Brutmulde entstand, mit spektakulären Luftangriffen frei geräumt von Krähen und anderen Unruhestiftern. Die Vögel begannen schon sehr schnell mit der Balz. Die Kopula konnte mehrfach beobachtet werden, z. B. am 29. März. Das Männchen wurde offensichtlich vom Weibchen mit einem leisen Ruf herbeigeholt, denn das Männchen unterbrach plötzlich die Nahrungssuche und eilte geschwind zur Partnerin, die ihn sofort zur Kopula aufforderte. Dank der Schutzmaßnahmen konnte die Brut ungestört ablaufen. Der Landwirt verzichtete auf eine Bearbeitung des Brutareals. Auch die vom LBV in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde aufgestellten Schilder informierten die Spaziergänger mit Erfolg. Die wenigen „Querfeldein-Gänger“ klärte die Betreuerin an Ort und Stelle auf und stieß damit auf viel Verständnis. So konnten am 9. Mai zwei Junge beobachtet werden und letztlich kam ein Junges zum Ausfliegen. Das Kiebitz-Männchen musste ständig das Rabenkrähen-Paar abwehren, das dort ebenfalls sein Revier hat. Flogen Saatkrähen vorbei, stieg der Kiebitz nicht auf. Ein Fuchs, der sich auf ca. 200 m annäherte, wurde entschieden angegriffen. Letztlich war es dem tollkühnen Mut des Kiebitzpaares zu verdanken, dass wenigstens ein Jungvogel vor Fuchs und dem stets präsenten Dachs beschützt werden konnte. Es wurde von den Beobachtern kein Versuch unternommen, das Nest genau zu lokalisieren. So konnte man nur vermuten, dass beide Elternteile sich bei der Brut ablösten. Allerdings war das Männchen tagsüber meist mit der Feindabwehr beschäftigt. Nach dem Schlüpfen teilten sich die Elternvögel die Jungen auf, so dass jedes Junge von einem Altvogel geführt wurde, bis leider ein Junges verschwand. Bei der Bewachung des Läuflings hielt der Altvogel stets einen Abstand von ca. 30 m ein und vermied es dadurch, mit seiner auffälligen Erscheinung die Prädatoren auf das Junge aufmerksam zu machen. Bei Gefahr warnte der Altvogel und der Läufling verdrückte sich sachte in das Getreidefeld. Am 29. Mai begannen die Flugübungen und am 07. Juni war der verbliebene Jungvogel auch in der Luft. Am 20. Juni strich die Familie ab, nachdem sie es den Bewachern ermöglicht hatte, eine Fülle von interessanten Verhaltensweisen zu beobachten.

Kiebitz Vanellus vanellus beim Balzflug. Aubachtal. 30.04.2016. © H. Schaller.

In früheren Zeiten sollen mehrere Kiebitze im Aubachtal gebrütet haben. Von 1996 bis 1999 sowie von 2005 bis 2009 wurden im Bayerischen Brutvogelatlas Bruten des Kiebitzes bestätigt. 2015 bestand schon Brutverdacht, eine erfolgreiche Brut konnte aber nicht bestätigt werden. Immerhin gab es 2016 noch einen vagen Hinweis auf eine vorjährige Brut 2015: Während der laufenden Brut 2016 kreisten eines Tages über dem Brutrevier zwei Kiebitze im 2. Kalenderjahr; ihr Alter war erkennbar an den schmäleren Handflügeln. Sofort stieg einer der Kiebitze auf, attackierte aber die Besucher nicht, sondern kreiste mit ihnen und es schien so, als ob das Brutpaar die Besucher dazu ermuntern wollte, sich ebenfalls hier niederzulassen. Auch eine kleine Kolonie böte sehr viel mehr Schutz. Vielleicht sind es 2017 schon zwei Brutpaare, die den Bestand sichern bzw. wieder vergrößern.